Die Woche bringt gleich mehrere Entwicklungen, die für kleine und mittlere Unternehmen handfeste Konsequenzen haben: Google verändert, wie Videoanzeigen ausgespielt werden, wie Suchdaten in der Search Console ausgewertet werden müssen – und welche Marken in der KI-Suche überhaupt noch auftauchen. Hier sind die wichtigsten Meldungen im Überblick.
Google Ads: Generative KI erstellt automatisch neue Videoformate für Performance Max
Google weitet den Einsatz generativer KI in Performance-Max-Kampagnen aus: Fehlen bestimmte Seitenverhältnisse – etwa Hochformat für Mobile oder Querformat für YouTube – erstellt das System diese künftig automatisch aus vorhandenem Videomaterial. Das berichtet Search Engine Land unter Berufung auf eine offizielle Google-Ankündigung. Ziel ist es, Anzeigen auf möglichst vielen Placements auszuspielen, ohne dass Werbetreibende zusätzliche Produktionen beauftragen müssen.
Für Betriebe aus dem Bau- und Handwerksbereich, die bereits kurze Imagevideos oder Projektdokumentationen nutzen, kann das ein echter Effizienzgewinn sein. Allerdings gilt: Die KI schneidet und skaliert das vorhandene Material – was bei schlechter Ausgangsdatei zu unerwünschten Ergebnissen führen kann. Wer PMax-Kampagnen schaltet, sollte die automatisch erzeugten Varianten regelmäßig prüfen und bei Bedarf manuell übersteuern.
Was das für Sie bedeutet: Laden Sie hochwertiges Ausgangsvideo in Ihr Google-Ads-Konto – mindestens 1080p, mit ausreichend Bildrandbereich – damit die KI sinnvolle Varianten erzeugen kann. Prüfen Sie neue Anzeigenformate nach Aktivierung aktiv im Asset-Bericht.
Search Console: KI-Gesprächsfragmente tauchen in Ihren Suchdaten auf
Wer seine Google Search Console aufmerksam auswertet, findet dort zunehmend ungewöhnliche Suchanfragen: lange, gesprächsartige Formulierungen, die weniger nach klassischen Keywords aussehen und mehr nach dem, was Menschen in KI-Chats eingeben. Search Engine Journal erklärt, wie diese Fragmente aus dem KI-Modus von Google in die Performance-Berichte einfließen und wie man sie systematisch in sieben Kategorien sortieren kann. Das gibt Einblick in neue Nutzerintentionen, die mit klassischen Keyword-Tools nicht erfasst werden.
Gleichzeitig warnt Google selbst vor einem aktuellen Datenfehler: Seit dem 13. August zeigt der „Generative AI"-Bericht in der Search Console laut Search Engine Land zu wenige Impressionen an. Wer also in diesem Zeitraum einen unerklärlichen Rückgang in diesem spezifischen Bericht sieht, muss nicht sofort Alarm schlagen – der Fehler ist bestätigt und liegt auf Googles Seite.
Was das für Sie bedeutet: Exportieren Sie Ihre aktuellen Search-Console-Daten und filtern Sie nach ungewöhnlich langen Suchanfragen. Diese zeigen Ihnen, welche Fragen potenzielle Kunden an KI-Systeme stellen – und wo Sie mit gezielten Inhalten ansetzen können. Bewerten Sie den Generative-AI-Bericht bis zur Fehlerbehebung nicht als verlässliche Kennzahl.
KI-Sichtbarkeit: Wer bei Google rankt, verschwindet trotzdem aus der KI-Suche
Eine der strategisch wichtigsten Beobachtungen der Woche liefert eine Analyse zur sogenannten AI Visibility: Marken und Unternehmen, die in der klassischen Google-Suche stark vertreten sind, tauchen in KI-generierten Antworten – etwa in Google AI Overviews oder ChatGPT – häufig kaum noch auf. Search Engine Land beschreibt, wie traditionelle Autorität und KI-Sichtbarkeit zunehmend auseinanderdriften. Wer in Trainingsdaten und Wissensgraphen nicht verankert ist, wird von KI-Systemen einfach nicht genannt – unabhängig vom Google-Ranking.
Für Handwerks- und Baubetriebe ist dieser Befund besonders relevant: Lokale Unternehmen sind in KI-Trainingsdaten strukturell unterrepräsentiert. Wer jetzt anfängt, strukturierte Inhalte, Bewertungen, Brancheneinträge und lokal relevante Texte systematisch aufzubauen, verbessert die Chancen, auch in KI-Antworten berücksichtigt zu werden – ein Kernprinzip des sogenannten GEO (Generative Engine Optimization).
Was das für Sie bedeutet: Überprüfen Sie, ob Ihr Unternehmen bei direkten Fragen in ChatGPT, Gemini oder Google AI Overviews überhaupt vorkommt. Wenn nicht, besteht Handlungsbedarf bei Ihrer digitalen Wissensgrundlage – unabhängig davon, wie gut Ihre klassische SEO aufgestellt ist.
YouTube ändert die Zählweise bei langen Videos und Livestreams
Wer YouTube als Kanal für Projekt-Dokumentationen, Erklärvideos oder Firmenvorstellungen nutzt, sollte eine aktuelle Plattformänderung kennen: YouTube hat laut Search Engine Journal die Zählmethode für Aufrufe bei langen Videos und Livestreams angepasst. Details zur genauen Schwelle sind noch nicht vollständig veröffentlicht, aber die Änderung betrifft die Vergleichbarkeit historischer und künftiger Aufrufzahlen.
Für Betriebe, die YouTube-Kennzahlen intern oder gegenüber Kunden als Belege für Reichweite nutzen, bedeutet das: Aufrufzahlen vor und nach der Umstellung sind nicht mehr direkt vergleichbar. Eine saubere Datenbasis erfordert, den Umstellungszeitpunkt in der eigenen Auswertung zu dokumentieren.
Was das für Sie bedeutet: Notieren Sie das Datum der Änderung in Ihrem YouTube-Reporting und kennzeichnen Sie historische Vergleichswerte entsprechend. Bewerten Sie den Erfolg Ihrer Videos künftig auch anhand von Watchtime und Klickrate – diese Kennzahlen sind von der Änderung nicht betroffen.
Fazit
Die aktuellen Entwicklungen zeigen eine klare Richtung: KI verändert nicht nur, wie Anzeigen ausgespielt werden, sondern auch, welche Unternehmen überhaupt noch sichtbar sind – in der klassischen Suche ebenso wie in KI-generierten Antworten. Für KMU aus Bau, Handwerk und baunahen Gewerken entsteht gerade ein Fenster, in dem frühes Handeln einen messbaren Vorsprung bringt.
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