Die Woche bringt gleich mehrere Entwicklungen, die KMU – und besonders Betriebe aus Bau, Handwerk und baunahen Dienstleistungen – direkt betreffen: ChatGPT trifft Markenentscheidungen bereits vor der eigentlichen Suche, AI Overviews senken die Klickraten trotz unveränderter Rankings, und wer im PPC-Bereich ausschließlich auf Kaufabsicht setzt, verliert zunehmend Reichweite. Hier sind die wichtigsten Meldungen im Überblick.
ChatGPT empfiehlt Marken, bevor es überhaupt sucht
Eine Analyse, über die das Search Engine Journal ausführlich berichtet, zeigt ein bemerkenswertes Verhalten: ChatGPT nennt Markennamen bereits in seinen eigenen internen Suchanfragen – bevor es externe Quellen abruft. Unternehmen, die in diesen vorformulierten Abfragen auftauchen, werden mit 33-fach höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich empfohlen. Das bedeutet: Wer im trainierten Wissen des Modells nicht präsent ist, hat kaum eine Chance, in der finalen Antwort zu erscheinen – unabhängig davon, was in der Echtzeitsuche gefunden wird.
Für Handwerker, Bauunternehmen und baunahe Dienstleister ist dieser Befund besonders relevant, weil viele dieser Betriebe bislang kaum auf KI-Sichtbarkeit geachtet haben. Strukturierte Inhalte, Brancheneinträge, Erwähnungen in Fachmedien und konsistente Markensignale im Web sind die Grundlage dafür, überhaupt in das trainierte Weltbild solcher Modelle einzufließen.
Was das für Sie bedeutet: Prüfen Sie, ob Ihr Betrieb in einschlägigen Online-Verzeichnissen, Branchenportalen und lokalen Nachrichtenquellen auffindbar und korrekt beschrieben ist. Das ist heute nicht mehr nur klassische SEO – es ist die Voraussetzung für GEO-Sichtbarkeit in KI-Systemen.
AI Overviews: Klicks sinken, obwohl die Rankings stabil bleiben
Stabile Positionen in den Google-Suchergebnissen, stabile Impressionen – aber sinkende Klickraten: Dieses Muster ist das typische Zeichen dafür, dass Google AI Overviews einem die Klicks wegnehmen. Search Engine Journal erklärt in einem praxisnahen Beitrag, wie man diesen Effekt in der Google Search Console eindeutig identifiziert und welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sind. Wer den Unterschied zwischen einem normalen Rückgang und einem AI-Overview-bedingten Klickverlust nicht kennt, riskiert, an der falschen Stelle zu optimieren.
Besonders betroffen sind Inhalte, die häufig gestellte Fragen direkt beantworten – etwa zu Kosten, Materialien, Bauvorschriften oder Handwerkerleistungen. Genau solche Inhalte werden von AI Overviews bevorzugt zusammengefasst und dem Nutzer direkt präsentiert, ohne dass ein Klick auf die Seite nötig ist.
Was das für Sie bedeutet: Gleichen Sie in der Google Search Console Impressionen und Klicks auf Seitenebene ab. Sinkende CTR bei gleichbleibenden Impressionen ist ein klarer Hinweis. In diesem Fall kann es sinnvoller sein, die betroffenen Inhalte tiefer und spezifischer zu gestalten, anstatt weiter auf schnelle Antworten zu setzen – oder gezielt auf eine Nennung innerhalb des AI Overview hinzuarbeiten.
Google Analytics führt Kampagnen-Benchmarking ein
Google hat in Google Analytics neue Benchmarking-Funktionen für Kampagnen eingeführt. Laut Search Engine Journal können Werbetreibende damit ihre Kampagnenleistung künftig direkt mit Branchendurchschnittswerten vergleichen. Das ist vor allem für kleinere Betriebe interessant, die bisher keine belastbare Vergleichsbasis für ihre Google-Ads-Ergebnisse hatten und nicht wussten, ob ihre Zahlen gut, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich sind.
Gerade im lokalen Handwerk und Bauwesen, wo Budgets begrenzt sind und jeder Euro zählt, schafft ein solches Benchmarking Transparenz – sofern man weiß, wie man die Daten richtig interpretiert. Eine Klickrate, die auf den ersten Blick niedrig wirkt, kann im Branchenvergleich durchaus solide sein und umgekehrt.
Was das für Sie bedeutet: Rufen Sie Google Analytics 4 auf und prüfen Sie, ob die neuen Benchmark-Vergleiche für Ihre Kampagnen bereits verfügbar sind. Nutzen Sie diese Daten als Orientierung – nicht als absoluten Maßstab, aber als hilfreichen Ausgangspunkt für Budgetentscheidungen.
PPC reicht nicht mehr: Wer nur auf Kaufabsicht setzt, verliert
Lange galt Pay-per-Click-Werbung als das Instrument der unmittelbaren Kaufabsicht: Jemand sucht, jemand klickt, jemand kauft. Doch dieser Ansatz verliert an Wirksamkeit. Search Engine Land analysiert, warum die wachsende Bedeutung von Demand-Gen-Kampagnen dazu zwingt, kreative Strategie, Kundenpsychologie und die gesamte Customer Journey in die Planung einzubeziehen. Wer weiterhin nur auf den letzten Klick vor dem Kauf optimiert, verschenkt erhebliches Potenzial in der frühen Entscheidungsphase.
Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe bedeutet das konkret: Potenzielle Kunden informieren sich oft wochenlang, bevor sie eine Anfrage stellen. Wer in dieser frühen Phase – etwa über YouTube, Display oder Discovery-Formate – sichtbar ist und Vertrauen aufbaut, hat bei der eigentlichen Anfrage einen klaren Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die erst im letzten Moment auftauchen.
Was das für Sie bedeutet: Ergänzen Sie reine Suchanzeigen um Formate, die früher in der Entscheidungsreise ansetzen. Erklärvideos zu Leistungen, Referenzprojekte als Bild-Anzeige oder gezielte Remarketing-Kampagnen sind auch mit kleinen Budgets umsetzbar und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden beim konkreten Bedarf an Ihren Betrieb denken.
Fazit
Die aktuellen Entwicklungen zeigen eine klare Richtung: KI-Systeme wie ChatGPT verändern, wie Empfehlungen entstehen – lange bevor ein Nutzer auf ein Suchergebnis klickt. Gleichzeitig fressen AI Overviews Klicks aus klassischen Google-Rankings, und PPC-Kampagnen müssen breiter gedacht werden als bisher. Für KMU gilt: Wer seine digitale Sichtbarkeit jetzt nicht strukturiert aufbaut, verliert in allen drei Bereichen gleichzeitig den Anschluss.
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