Die digitale Suchlandschaft verändert sich spürbar – und das in einem Tempo, das viele kleine und mittlere Unternehmen vor echte strategische Fragen stellt. Vier aktuelle Meldungen aus der Fachpresse zeigen, wo heute Handlungsbedarf besteht: bei der KI-Suche, bei der Bewertung von Google-Daten und bei der Struktur lokaler Webseiten.
KI-Suche ersetzt Google nicht – sie schichtet sich darüber
Neue Auswertungen des Analyseanbieters Similarweb zeigen laut Search Engine Journal: KI-gestützte Suchwerkzeuge wie ChatGPT verdrängen Google derzeit nicht, sondern ergänzen es. Allerdings verteilt ChatGPT ausgehende Klicks sehr ungleichmäßig – nur wenige Domains profitieren nennenswert vom KI-Referral-Traffic. Gleichzeitig belegt eine separate Studie laut Search Engine Land, dass KI-Modelle bei markenbezogenen Anfragen stark auf bekannte Marken setzen: 63 Prozent der markenbezogenen Suchanfragen entfielen auf jeweils die fünf dem Modell vertrautesten Marken.
Das bedeutet: Wer in KI-gestützten Suchumgebungen nicht präsent ist, wird dort auch nicht empfohlen – unabhängig von der tatsächlichen Qualität. Für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen heißt das konkret, dass digitale Markenpräsenz und konsistente Online-Erwähnungen (etwa in Branchenverzeichnissen, Fachportalen und lokalen Medien) zunehmend strategische Bedeutung erhalten.
Was das für Sie bedeutet: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Betrieb unter konsistenten Informationen in möglichst vielen relevanten Quellen auffindbar ist – Firmenname, Adresse, Leistungen und Bewertungen. Genau das ist die Grundlage für GEO (Generative Engine Optimization), also die gezielte Optimierung für KI-Suchantworten.
Google Search Console: KI-Daten können irreführen
Seit Google die sogenannten „AI Overviews" in der Search Console ausweist, greifen viele Marketingverantwortliche auf diese Daten zurück – oft mit falschen Schlüssen. Eine achtwöchige Analyse, über die Search Engine Journal berichtet, zeigt: Die Daten weisen zahlreiche Impressionen ohne entsprechende Klicks aus, bilden aufgeblähte Rang-1-Platzierungen ab und erzeugen statistische Mittelwerte, die echte Traffic-Verluste verschleiern können. Kurz gesagt: Wer die KI-Daten in der Search Console unkritisch interpretiert, riskiert Fehlentscheidungen.
Für KMU, die ihre Website-Auswertung selbst oder mit begrenzten Ressourcen durchführen, ist das eine wichtige Warnung. Die gewohnten Leistungskennzahlen gelten für KI-Overviews nicht unverändert – eine differenzierte Betrachtung ist notwendig.
Was das für Sie bedeutet: Betrachten Sie Ihre Search-Console-Daten zu „Generative AI" vorerst mit Vorsicht. Vergleichen Sie Klick- und Impressionsdaten separat und prüfen Sie, ob sich Ihre organischen Zugriffe trotz guter Positionen tatsächlich stabil entwickeln. Im Zweifel lohnt eine externe Einschätzung.
Multi-Location-SEO: Standortseiten richtig strukturieren
Für Betriebe mit mehreren Standorten oder Einsatzgebieten – etwa Bauunternehmen, Gebäudedienstleister oder Handwerksbetriebe mit Niederlassungen – gibt Search Engine Land eine klare Empfehlung: Geografische Unterseiten sollten an echten Standorten, Märkten und tatsächlichen Leistungsgebieten ausgerichtet sein – nicht daran, für jedes mögliche Keyword eine eigene URL zu erstellen. Strukturlose Massenanlage von Ortsseiten schadet der Glaubwürdigkeit und kann von Google als minderwertiger Inhalt eingestuft werden.
Stattdessen empfiehlt sich eine klare Hierarchie: Hauptstandort, regionale Seiten für tatsächliche Einsatzgebiete und Inhalte, die echten lokalen Bezug haben – zum Beispiel abgeschlossene Projekte vor Ort, regionale Ansprechpartner oder spezifische Leistungsangebote für den jeweiligen Markt.
Was das für Sie bedeutet: Wenn Ihr Betrieb mehrere Städte oder Landkreise bedient, sollten Ihre Standort- oder Leistungsbereichsseiten inhaltlich substanziell sein – mit echten lokalen Referenzen, nicht mit generisch austauschbaren Textbausteinen. Qualität schlägt Quantität, auch bei lokalen Seiten.
KI-Projekte scheitern häufig an Daten und Organisation
Eine Einschätzung von Heringer Consulting, veröffentlicht über Presseportal, macht auf ein branchenübergreifendes Problem aufmerksam: Viele Unternehmen investieren in Datenplattformen und KI-Systeme, scheitern aber an der Umsetzung – wegen unklarer Datenlage, fehlender Prozesse oder mangelnder organisatorischer Verankerung. Das gilt für Großunternehmen ebenso wie für ambitionierte KMU, die digitale Tools einführen wollen.
Für Handwerks- und Baubetriebe, die etwa KI-gestützte Angebotskalkulation, digitale Bautagebücher oder automatisierte Kundenkommunikation einführen möchten, ist das ein realistischer Hinweis: Technologie allein löst keine Probleme. Entscheidend ist, dass die zugrunde liegenden Daten sauber, die Abläufe definiert und die Verantwortlichkeiten klar sind.
Was das für Sie bedeutet: Prüfen Sie vor jeder KI-Investition, ob Ihre Datenbasis – etwa Kundendaten, Projektinformationen oder Angebotsdaten – überhaupt strukturiert und konsistent vorliegt. Ein realistischer Blick auf den eigenen Reifegrad spart Zeit und Budget.
Fazit
Die heutigen Meldungen zeigen: KI verändert die Suche, aber nicht so radikal und nicht so schnell, wie manchmal behauptet wird. Für KMU gilt es, die eigene digitale Sichtbarkeit gezielt aufzubauen – mit konsistenten Unternehmensdaten, substanziellen lokalen Inhalten und einem kritischen Blick auf Analysetools. Wer jetzt strukturiert vorgeht, ist gegenüber Mitbewerbern klar im Vorteil.
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